--- Geschlechterverhältnisse ---

riff – Geschlechterverhältnis im Kapitalismus

Diese Gesellschaft kennt genau zwei Geschlechter und nahezu alle Dinge sind irgendwie geschlechtlich sortiert: Angefangen vom Babyspielzeug über die Berufswahl bis zur Frage, wer wo welche Haare tragen und wer beim Küssen den ersten Schritt machen darf. Die Zuordnung zu entweder Mann oder Frau wird gesellschaftlich eingefordert und Abweichungen sanktioniert. In diesem Workshop wollen wir diskutieren, was die Ansprüche an Männer und Frauen sind und wie sie mit der kapitalistischen Gesellschaft vermittelt sind. Dabei wollen wir auch darauf eingehen, mit welchen besonderen Problemen sich als Frauen Sortierte herumschlagen müssen – und warum das alles nicht zu unserer Vorstellung vom guten Leben für alle passt.

Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft: Abseits des Spülbeckens

Sarah Diehl: „Die Uhr, die nicht tickt: Kinderlos glücklich“

„Wenn meine biologische Uhr mir etwas sagt, dann, dass ich im besten Alter bin, dieses Buch zu schreiben.“
Immer mehr Frauen bleiben freiwillig kinderlos, nicht nur in Deutschland. Aber das Reden über die biologische Uhr ist so allgegenwärtig, dass Frauen sich selbst misstrauen, wenn sie die Uhr nicht ticken hören. Sie zweifeln ihre eigene Entscheidungsfähigkeit an, weil ihnen vermittelt wird, dass sie etwas anderes wollen müssen.
Geht es ums Kinderkriegen, wird unbeirrt festgehalten an der Vorstellung vom angeborenen Mutterinstinkt und an der Idee vom allein seligmachenden Glück der Kleinfamilie. Politik und Gesellschaft bauen demografische und biologistische Schreckgespenster auf, um an alten Familienkonzepten und Geschlechterhierarchien festhalten zu können. Kein Kind zu wollen, gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige.

Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Sie hat erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus oder Narzissmus gehören nicht dazu.

Sarah Diehl leistet eine Analyse, wie das schlechte Image der kinderlosen Frau als Druckmittel zur unbezahlten care-Arbeit aufgebaut wird. Ihr Buch ist das überfällige Plädoyer für eine vorurteilsfreie und zeitgemäße Einstellung zu weiblicher Identität und für neue Konzepte des solidarischen Zusammenlebens.

Andrea Trumann: Bürgerschreck: Der schwule Mann (Teil I und II)

Dank Wowereit und Westerwelle scheint der schwule Mann in der bürgerlichen Gesellschaft angekommen zu sein. Aber unter dieser oberflächlichen Anerkennung, schwelt immer noch der Hass auf Schwule. In Kreuzberg werden Schwule nach Partys abgefangen und zusammengeschlagen und „Schwul“ ist in Schulen neben „Du, Opfer“ und „Du, Jude“ eins der beliebtesten Schimpfwörter. Und auch die Toleranz im bürgerlichen Milieu endet in der Regel dann wenn es um die eigene Kinder geht. Aber woher kommt dieser Hass auf Schwule, der sich unter der Oberfläche bürgerlicher Toleranz Bahn bricht. Dieser Hass ist nicht das Andere zur bürgerlichen Gesellschaft, sondern konstitutiv für diese. Gehasst wird an den Schwulen nicht, dass sie mit jemandem gleichgeschlechtlichen Schlafen, sondern dass im schwulen Sex mindestens Einer in die Rolle der Frau schlüpfen und sich ficken lassen muss. Die Angst vor dem Schwulsein ist gleichzeitig eine Angst vor der Verweiblichung. Eine Angst, die auch vor der Schwulen Szene selbst nicht Halt macht, in der ein Männlichkeitskult gepflegt wird, der Tunten ausschließt. Die Angst und gleichzeitig der Wunsch vor der Passivität und vor dem Kontrollverlust ist es, was den Hass auf die Schwulen schürt. Denn dem Schwulen gleichsam wie der Frau wird die Macht zugesprochen, die Bürger von ihrem rechten Weg – vom Arbeitszwang und der Kleinfamilie – abzubringen, und dieser Wunsch nach Kontrollverlust muss abgewehrt werden und die vermeintlichen Verführer gehasst und im schlimmsten Fall ausgelöscht werden.

Der Workshop ist zweigeteilt. Die Thesen wurden an Hand des Films Matador von Pedro Almodovar aus dem Jahr 1984 entwickelt. In einem ersten Teil soll morgens der Film gezeigt werden, um dann im nächsten Teil an Hand des Films die Thesen zum „Bürgerschreck Schwuler Mann“ zu entwickeln. Bei der Interpretation wird auf Theorien von Freud, Foucault, Butler und Marcuse zurückgegriffen.

Andrea Truman: Kritik des Staatsfeminismus

Gewöhnt daran, die Politik der letzten Jahrzehnte als neoliberal zu begreifen, stutzt man angesichts der Reformen im Bereich der Familienpolitik, die in den letzten zehn Jahren angeschoben wurden. Es ist unsinnig, dem Staat vorzuwerfen, er schiebe die gesellschaftliche Verantwortung für Mütter, Väter und Kinder ins Private ab. Im Gegenteil: In den Ausbau der Kinderbetreuung und ins Elterngeld wird viel Geld investiert – mit der Begründung, dass Frauen damit leichter Karriere machen könnten und die Emanzipation von Frauen in großen Schritten voranschreite. Wenn weibliche Autonomie von staatlicher Seite angestrebt wird, ist es allerdings ratsam, genauer zu schauen, was gemeint ist. Bei so viel Zuwendung von Seiten des Staates, dem man noch nie zutraute, individuelles Glück im Fokus seiner Bemühungen zu haben, scheint Misstrauen nicht verkehrt: Wie soll es denn aussehen, mein reformiertes Leben als Frau oder Mann? Und wird damit die Gleichberechtigung der Geschlechter erreicht?

Wir wollen die aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen des Geschlechterverhältnisses diskutieren und herausarbeiten, welche Gründe es für den politischen Wandel geben könnte. Für den Workshop bedarf es keiner besonderen Vorkenntnisse.

Detlev Georgia Schulze: Feminismus-Marxismus? Marxismus-Feminismus? | Oder: Marxismus versus Feminismus (und umgekehrt)? | Oder gar Marxismus + Feminismus?!

Anläßlich des Frauenkampftages 2013 hatte sich Detlef Georgia beim Thresenabend der Gruppe Revolutionäre Perspektive Berlin bereits schon einmal vor nicht allzu langer Zeit mit dem Verhältnis von Marxismus und Feminismus beschäftigt: http://perspektive.nostate.net/files/feminismus_2015_marxismus.mp3. Damals ging es vor allem historisch um die mainstream-marxistische Präferenz für „proletarische Frauenbewegung“ gegenüber „kleinbürgerlichem Feminismus“ und der Haltung der verschiedenen post-1968er (liberalen, radikalen, sozialistischen und queeren) Strömungen des Feminismus zum Marxismus. Hier nun soll der Schritt in die Gegenwart und Zukunft bzw. von der Debatten-Rekonstruktion zur Gesellschaftsanalyse vollzogen werden:
• Inwieweit lässt sich mit marxistischen Analysebegriffen feministisch operieren und umgekehrt?
• Lassen sich Marxismus und Feminismus auseinander ableiten?
• Was genau wären die Analysen, Kritiken und Forderungen eines marxistischen Feminismus bzw. feministischen Marxismus?
• Mit welchen (agitatorischen) Widerständen müssen marxistische Feminist_innen umgehen?
• Welches ist das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis? Also zu welchem Zeitpunkt lassen sich welche marxistisch-feministischen Forderungen praktisch geltend machen?

--- AntiRa ---

riff – “Wir schaffen das” und “Obergrenze” – Zwei Seiten derselben Medaille?!

In der Debatte um die aktuelle “Flüchtlingskrise” seit September 2015 stehen sich zwei Seiten gegenüber: Auf der einen Seite Angela Merkel mit ihrer “Wir schaffen das!”-Politik und einer “neuen deutschen Willkommenskultur”; auf der anderen Seite Seehofer mit seinen Forderungen nach einer Obergrenze als besorgter Bewahrer der “Deutschen Kultur”. In der öffentlichen Debatte werden beide zum Teil als extremer Kontrast dargestellt: Merkel als sogenanntes Gesicht der Menschlichkeit und Seehofer als populistischer Scharfmacher.
Was genau die beiden Positionen jeweils bedeuten und was es bei den vermeintlich völlig konträr gegeneinander stehenden politischen Programmen an Gemeinsamkeiten gibt, wollen wir uns in diesem Workshop genauer angucken.

AG-Freiburg: Einführung in die Kritik des Antiziganismus

Antiziganismus, also der Hass auf „Zigeuner“, ist in den europäischen Gesellschaften die wohl verbreitetste Vorurteilsstruktur. Im antiziganistischen Weltbild werden den „Zigeunern“ eine nomadische Lebensweise, Heimatlosigkeit, Faulheit und der Hang zur Kriminalität zugeschrieben. Vor allem in Osteuropa leiden die Betroffenen unter massiver Diskriminierung, sowohl ausgehend von der Mehrheitsbevölkerung, als auch von staatlicher Seite. Dieser tiefsitzende Hass entlädt sich regelmäßig in schweren Gewalttaten, wie Morden oder Pogromen gegen die Minderheit. Auch in Deutschland sind antiziganistische Einstellungen weit verbreitet: In einer repräsentativen Studie einer Forschergruppe aus Bielefeld aus dem Jahre 2011 stimmten 40,1% der Befragten der Aussage „Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten“ zu, 27,7% meinten gar: „Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden“. Im Workshop wollen wir uns den Fragen widmen: Was kennzeichnet den Antiziganismus? Welche Bilder haben wir von Roma und Sinti? Was wissen wir über die Geschichte der Roma und Sinti hier in Deutschland. Und schlussendlich: Was können wir gegen Antiziganismus tun? Der Workshop ist interaktiv angelegt und kann ohne jegliche Vorkenntnisse zum Thema besucht werden.

Gruppen gegen Kapital und Nation (GKN): Wie der Bundesgerichtshof seinen eigenen Rassismus kritisiert und was man dabei für die Flüchtlingsdebatte lernen kann.

In einem Urteil von 1956 hat der BGH Entschädigungsforderungen von Roma und Sinti wegen ihrer Zwangsumsiedlung im Jahr 1940 zurückgewiesen. Der BGH befand 1956, dass die Zwangsumsiedlung von Sinti und Roma 1940 nach Polen, aus nachvollziehbaren kriminalpolitische Gründen gemacht wurden. Der BGH befand: „Sie neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien, es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremden Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist.“ Vom Zentralrat der Sinti und Roma vor anderthalb Jahren darauf angesprochen, gibt der heutige BGH auf einem Symposium zu, das Urteil von 1956 war rassistisch. Was ist die Lehre für heute? Hat er was bemerkt? Fällt ihm eine Parallele zum politischen Vorhaben ein, kriminelle Ausländer noch einfacher abzuschieben als schon bislang möglich?

–-Internationales---

Gruppe K: Was ist los in der Türkei?

In der Türkei überschlagen sich die Ereignisse: Terroranschläge, Verhaftungen von Linken, Gewerkschaftern, Journalisten & Kurden-Politikern, Militäreinsätze gegen kurdische Siedlungen, Zeitungszensur, eine (Präsidial)Verfassungsreform, das Abkommen mit der EU über die Deportierung und Internierung von unerwünschten Flüchtenden und schließlich ein missglückter Militärputsch, der daraufhin verhangene Ausnahmezustand und flächendeckende Säuberungsaktionen etc. pp. – all das ist die Türkei heute.
Sehr vieles davon finden wir scheiße. Da es aber vorläufig noch nicht in unserer Macht steht, die Verantwortlichen in Berlin, Brüssel, Washington und Ankara an ihrem Tun zu hindern, nehmen wir uns zumindest die Freiheit, ihre Absichten zu untersuchen und zu erklären: Was ist los in der Türkei? – Wie hat sich die Türkei historisch entwickelt (das ist für die gegenwärtige Lage nämlich nicht ganz unwichtig)? – Wie ist die aktuelle Lage in der Türkei? – Was ist Erdogan´s politisches Programm? – Welche Interessen hat die EU an der Türkei und welche Interessen hat die Türkei an der EU? – Ist die Türkei auf dem Weg zum Faschismus?

Das Thema ist schwierig und unübersichtlich, es werden aber keine Vorkenntnisse vorausgesetzt, es wäre nur schön, wenn ihr viele Fragen mitbringt.

Renate Dillmann: China seit Mao

1949 haben die Kommunisten unter Mao den Krieg um China gewonnen und wollten in diesem extrem rückständigen Land eine sozialistische Gesellschaft aufbauen. Wie das gelaufen ist, was in dem Land passiert ist, was Maos berühmte Massenkampagnen („lasst 100 Blumen blühen“, der „Große Sprung nach vorn“, die „Kulturrevolution“) waren – darüber kam wenig in der westlichen Presse an und auch die damaligen Freunde einer maoistischen Revolution wussten auch oft nicht so wirklich, was sie da eigentlich für nachahmenswert hielten. 1978 haben sich dieselben Kommunisten entschlossen, ihr Land für ausländisches Kapital zu öffnen und – Schritt für Schritt – ihre Wirtschaft auf Kapitalismus umzustellen. Was daraus geworden ist, erfahren wir heute täglich aus der Presse: eine Weltwirtschaftsmacht und eine neue Großmacht, die in der Staatenkonkurrenz an vorderster Stelle mitmischt. Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Was ist der „rote Faden“, der das China unter Mao und das heutige verbindet? Immerhin ist es dieselbe kommunistische Partei, die damals wie heute das Sagen in der Volksrepublik hat! Im Workshop wollen wir uns diesen ziemlich einzigartigen Fall der Weltgeschichte vorknöpfen.
Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Es wäre aber schön, wenn Leute Fragen, die sie möglicherweise schon lange zu diesem Thema haben, vorbringen würden – dann könnten wir eventuell daran entlang denken…

Ralf Ruckus: Soziale Kämpfe, Organisierung und Repression in China

Nach Jahrzehnten rasanten Wirtschaftswachstums gerät das chinesische Entwicklungsmodell immer mehr unter Druck. Der globalen Wirtschaftskrise begegnete die herrschende Kommunistische Partei (KP) mit kreditfinanzierten Investitionen, was die Schulden explodieren ließ und die „Schieflage‟ der chinesischen Wirtschaft verstärkte. Industrialisierung und Verstädterung zogen Umweltzerstörung und Luftverschmutzung nach sich, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Die Zunahme von Arbeitskämpfen führte zu Lohnsteigerungen an der industrialisierten Ostküste, und nachdem das Kapital Teile der Produktion ins Inland verlagerte, kam es auch dort vermehrt zu organisierten Streiks. Um ihre Herrschaft im Angesicht der Krisen und Missstände zu verteidigen, macht die KP Zugeständnisse und verschärft gleichzeitig die Repression. Die Lage droht ihr aus der Hand zu gleiten. Bricht der Kapitalismus in China zusammen? Oder schaffen KP und Kapital eine reformistische Wende?

Daniel Kulla: Sin Patron – arbeiten ohne Chef

Argentiniens instandbesetzte Betriebe in Belegschaftskontrolle.
Als Argentiniens Wirtschaft 2001 zusammenbrach, kam es zwar nur beinahe zur Revolution, aber Tausende Werktätige lernten, Betriebe unter eigener Kontrolle weiterzuführen. Heute gibt es mehrere hundert solcher Betriebe in Argentinien, zum Teil von der Regierung kooptiert, zum anderen Teil aber weiterhin im Aufstand – wie die Keramikfabrik FaSinPat (Zanón), in der nach wie vor alle den gleichen Lohn bekommen und alle die gleiche Stimme in der Vollversammlung haben, der höchsten Autorität im Werk.
Im Buch, im Original herausgegeben von einem Verlagskollektiv aus Buenos Aires, gibt es die Geschichten von 10 derartigen Instandbesetzungen, die in Argentinien „recuperación“ heißen: Wiederinbetriebnahme, aber auch Genesung. Von Aneignung ist meist gar nicht die Rede – die Betriebe gehören sowieso dem Volk. Und konsequenterweise versorgen viele fábricas recuperadas ihre Nachbarschaft mit speziellen öffentlichen Diensten wie Volksschulen und Benefizveranstaltungen.

--- Antifa ---

L. Teidelbaum: „Mein rechter, rechter Platz war frei“ Die AfD in Baden-Württemberg – eine kritische Bestandsaufnahme der Landtagswahl und ihrer Folgen

Bei den Landtagswahlen im März 2016 errang die Partei „Alternative für Deutschland“ 15 % der Stimmen und damit 23 Mandate, davon zwei Direktmandate. Offenbar hielt jede achte Person im Südwesten Rechtspopulismus für eine wählbare politische Alternative.
Doch was ist überhaupt Rechtspopulismus? Durch was zeichnet er sich aus? Welche Motive führten zur Wahl der der AfD? Wie ist die AfD in Baden-Württemberg ausgerichtet? Wer sitzt da für die AfD im Landtag? Und wie könnte ein kritischer Umgang damit aussehen?
Diese und weitere Fragen wird Lucius Teidelbaum versuchen zu beantworten. Er ist Buchautor und freier Journalist mit dem Schwerpunkt auf der extremen Rechten und anliegenden Grauzonen.

L. Teidelbaum: „Unvergessen – Opfer rechter Gewalt in Baden-Württemberg“

In Baden-Württemberg gab es von 1990 bis heute mindestens sieben Todesopfer rechter Gewalt. Vor 1990 finden sich zwei weitere eindeutige Todesopfer rechter Gewalt. Daneben gab es vor und nach 1990 mehrere Verdachtsfälle. Das Recherche-Projekt „Unvergessen – Opfer rechter Gewalt in Baden-Württemberg“ hat sich nun zum Ziel gesetzt für das Gebiet von Baden-Württemberg alle bekannten Fälle von rechten Morden zu dokumentieren und dabei auch die Opfer zu porträtieren, in der Hoffnung ihnen damit damit einen Teil ihrer Würde zurückzugeben. Neben den eindeutigen rechten Morden wurden weiterer Fälle dargestellt in denen ein rechtes Motiv zwar nicht belegt, aber auch nicht ausgeschlossen werden kann. Diese Fälle enthalten nach einer Beschreibung auch eine vorläufige Einschätzung. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass diese Verdachtsfälle neu aufgerollt und untersucht werden. Ergebnis ist eine Fallsammlung, die auf dem Blog „http://unvergessen.blogsport.de/“ veröffentlicht wurde. Es ist der erste Versuch dieser Art für das Bundesland Baden-Württemberg. Das Projekt und seine vorläufigen Ergebnisse sollen vorgestellt werden.

Falken Stuttgart: Argumentieren gegen Rechts

In der bürgerlichen Öffentlichkeit ist man sich darüber einig, dass man recht(sradikal)en Parolen etwas entgegensetzen müsse. – Die Vorwürfe der Demokraten lauten auf stumpfsinnig, verblendet, rückwärtsgewandt, demokratiefeindlich, menschenverachtend, und die Forderung zielt auf die Ausgrenzung der Rechten aus der Debatte. Können sie die Standpunkte der Rechten, wenn sie doch scheinbar so „stumpfsinnig“ sind, denn nicht kritisieren?! Bemerkenswerterweise wissen dieselben Demokraten nur zu oft, dass man die „Ängste der Bürger ernstnehmen“ müsse. Was halten sie denn an der Angst beispielsweise vor „Überfremdung“ für so verständlich, dass sie den „besorgten Bürgern“ darin rechtgeben?! Antifaschisten fordern regelmäßig das Verbot rechter Organisationen. Sie begründen das damit, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen sei. Bloß: Ändern denn Verbote etwas an den Einstellungen und Gedanken der Rechten – und vor allem von Bürgern, die sich von ihnen überzeugen lassen und sie unterstützen oder sich ihnen sogar anschließen?! Oder kommt man diesen nicht besser mit Argumenten bei? Im Workshop wollen wir anhand von rechten Positionen gemeinsam klären, wie man denn nun gegen rechts argumentiert. Außerdem sollen die Einwände von Demokraten gegen rechtes Gedanken einer Prüfung unterzogen werden.

–- Kapitalismus ---

Renate Dillmann: Acht bis zehn Einwände gegen Kapitalismus, Demokratie und Nation

In diesem Workshop soll es um die big points der Gesellschaftskritik gehen:
•Was zeichnet eine kapitalistische Produktionsweise aus? Und was hat es mit dem Eigentum auf sich? Ist das ein Spleen der Kommunisten – oder was ist daran so wichtig? Was meint der Vorwurf „Klassengesellschaft“? Ist der nicht viel zu undifferenziert?
• Demokratie bedeutet, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft mit bestimmen sollen. Was ist daran kritikabel?
• Nationalismus halten viele für doof und gemein. Aber was ist daseigentlich? Eine falsche Einstellung, die man/frau auch sein lassenkönnte?
Ein Workshop, der sich an alle richtet, die an dieser Gesellschaft das ein oder andere schädlich finden, und dem „System“ daran auf der Spur sind.

geskrit Salzburg: Konsumkritik-Kritik

Immer wieder mahnen gesellschaftskritische Menschen “besseren Konsum” an. Sei es, dass sie zum Kauf von “Fair trade”-Waren aufrufen, sei es, dass es wieder einmal ein Unternehmen zu boykottieren gilt. Auch im Zusammenhang mit der zunehmenden Umweltverschmutzung ist das Konsumverhalten immer wieder Thema. Wir wollen an diesem Abend die provokante These vertreten, dass diese Art der Konsumkritik eine gut gemeinte, aber nichtsdestotrotz grundfalsche Variante der allseits beliebten “Der Kunde ist König”-Ideologie ist.

farbeRot: Einkommen in der Klassengesellschaft – Wer verdient warum wieviel?

Wer Antworten haben will auf Fragen wie…
- Ist es ein Skandal, dass mancher Konzernmanager zwischen 100- und 200-mal mehr verdient als die tariflich bezahlten Facharbeiter, die er kommandiert? Oder geht das in Ordnung, weil vom Geschick der Betriebsführer schließlich Job und Existenz von Zehn- oder gar Hunderttausenden abhängen?
- Ist es gerechtfertigt, dass ein Zahnarzt ein x-faches mehr verdient als seine Angestellten, weil er ja schließlich jahrelang studiert hat und außerdem das finanzielle Risiko trägt? Oder ist das nicht zu rechtfertigen, weil das bisschen Handwerk von den Zahnarzthelferinnen genauso gut zu erledigen wäre?
- Ist es gerecht, dass manche Immobilienbesitzer pur mit ihrem Grundstück stattlich Geld verdienen, während manche Bauern, die ihren Grund und Boden beackern, immer gerade so oder noch nicht einmal über die Runden kommen? Oder ist es ungerecht, dass die Landwirte Jahr für Jahr milliardenschwere Beihilfen aus Steuergeldern abgreifen?
…der wird sich auf unserer Veranstaltung schlecht bedient finden. Wir können nämlich die Debatten über die (Un-)Gerechigkeit von Einkommen und ihren Unterschieden nicht ausstehen. Denn die Rechts- oder Unrechtsurteile, die da gefällt werden, sind erstens praktisch belanglos. Zweitens sind sie theoretisch beliebig: Gegen jede Beschwerde über Ungerechtigkeiten beim Einkommen gibt es garantiert eine passende Verteidigung, die genauso logisch oder unlogisch ist. Und drittens wird bei solchen Debatten die einzige Frage nie gestellt, die wirklich fällig wäre: Warum passen Beruf und Einkommen für so viele Leute so schlecht zu den Notwendigkeiten und Freiheiten, die das Einkommen, erworben durch Lebenszeit und -kraft, doch bezahlen muss und soll?

- Können wir eine Alternative bieten? Ja!

Erstens die abschließende Kritik des Vorurteils, letztlich müsse doch irgendwie zu haben und zu finden sein, was keine praktische Erfahrung jemals bestätigt oder belegt hat: eine echte, logisch und moralisch nachvollziehbare Entsprechung von individueller Tätigkeit und Bezahlung. Und zweitens ein paar systematische Hinweise darauf, für welche Dienste woran die Figuren in der Marktwirtschaft – vom Minilöhner bis zum Manager – ihre Kohle tatsächlich kriegen.

Der Workshop richtet sich an alle Interessierten.

Athanasios Karathanassis: Kapitalismus, Wachstum und Naturzerstörung

Kapitalismus, Wachstum und Naturzerstörung -Einblicke und Ausblicke aus politisch-ökonomischer Sicht.
Wenn von Naturzerstörungen, vom Klimawandel oder Umweltschutz die Rede ist, geht es sowohl in öffentlichen Diskursen als auch im wissenschaftlichen „Mainstream“ zumeist um Fragen der technischen „Beherrschbarkeit“ von Natur, wobei insbesondere die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz thematisiert wird, um gesetzliche Forderungen oder um normative und moralische Leitbilder, aus denen die Schonung der Natur folgen soll. Eine zumeist ausgeblendete oder verkürzt gestellte, aber unerlässliche Frage ist die nach den politisch-ökonomischen Ursachen bisheriger Naturzerstörungen oder anders gefragt: In welchem Zusammenhang steht die Praxis des kapitalistischen Systems mit den gegenwärtigen Prozessen des Naturraubbaus und der Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen?

Björn / Falken: Einführung in Karl Marx

Dieser Workshop bietet eine Einführung in Karl Marx. Genauer geht es um sein Werk Das Kapital, Kritik der Politischen Ökonomie. Im Workshop wird vermittelt werden, warum das Werk so heißt: Warum beschäftigte sich Marx mit dem Kapital, warum mit der Politischen Ökonomie, was ist an seinem Werk Kritik? Und worum geht es in diesem Werk? Es sind keine Vorkenntnisse nötig. Wir werden einige Passagen aus dem Werk gemeinsam lesen. Mut und Bereitschaft zum Fragen und zum Austausch über das Textverständnis sind hilfreich.

---Imperialismus ---

versus Tübingen: TTIP: Ein Kampfprogramm zur Neuordnung des Weltmarkts für Dollar- und Eurokapitalisten

Die Verhandlungen um das TTIP-Abkommen werden von einem erbitterten Streit begleitet: Die Befürworter versprechen Vorteile für die beteiligten Wirtschaftsstandorte, Wachstum und Arbeitsplätze. Die Gegner bestreiten all das und werfen der anderen Seite „leere Versprechungen“ vor; wenn TTIP etwas sicher mit sich bringe, dann die Unterwanderung demokratisch beschlossener Regelungen durch die Etablierung von Schiedsgerichten. Auf der Veranstaltung soll es nicht um Prognosen gehen, ob TTIP, wenn es denn kommt, wirklich zu mehr Wachstum und Arbeitsplätzen führt, sondern es soll diskutiert werden, was das für Versprechungen sind. Es soll geklärt werden, wem mit Wachstum und Arbeitsplätzen eigentlich was versprochen wird. Außerdem soll es um die Aufregung in Bezug auf die Schiedsgerichte gehen, der deutsche Staat werde darüber entmachtet. Ausgerechnet ein Staat, der Schiedsgerichte längst als standardmäßige Geschäftsbedingung handhabt, der ganz souverän und ganz ohne eine private Sondergerichtsbarkeit alles dafür unternimmt, mit einem Niedriglohnsektor und vielem mehr seine Stellung als Exportweltmeister auszubauen…

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Referent bemüht sich um eine allgemein verständliche Ausdrucksweise und lädt alle Interessierten herzlich ein, in eine muntere und hoffentlich aufschlussreiche Debatte einzusteigen. Die Veranstaltung geht zwei Stunden; eine Pause ist nicht geplant.

GKN: Staatsverschuldungskrise in Europa und Griechenland

Politische Kredite gegen ein fortlaufendes Austeritätsprogramm: In der ersten Hälfte des Jahres 2015 hat die links-rechts Regierung in Griechenland den Aufstand geprobt und verloren. Seitdem trägt sie das Euro-Programm einigermaßen mit. In dem Workshop soll der Streit und die Einigung nochmal nachvollzogen werden. Daran sollen Grundsätze der Politökonomie von Staatsverschuldung im Allgemeinen und der Staatsverschuldungskrise im Euroraum im Besonderen erläutert werden. Da das ganze Thema schwierig, hier nochmal der Hinweis: Es wird versucht, das Thema Schritt für Schritt zu behandeln und alle Nachfragen sind willkommen. Der Workshop ist voraussetzungslos und alle, die mal einen Fuß in die Tür kriegen wollen, sind herzlich eingeladen.

–- Sonstiges ---

AG-Freiburg: Zum Grundriss einer materialistischen Theorie des Gefängnisses

„Das Gefängnis ist der brutalste und unmittelbarste Ausdruck der Macht, und da die Macht zerstört werden muss, kann es nicht stufenweise abgeschafft werden. Wer gedenkt, es verbessern zu können, um es dann zu zerstören, wird ewig sein Gefangener bleiben.“ (Alfredo M. Bonanno: Eingeschlossen)

Die Praxis des Einsperrens und die institutionalisierte Form dieser Praxis – das Gefängnis – lösten die feudale Strafpraxis der Markierung der Delinquenten mittels körperlicher Züchtigung ab und setzten sich in der bürgerlichen Gesellschaft als dominante Form des Strafens durch. Doch warum? Der Vortrag will in einem ersten Schritt die „Geburt des Gefängnisses“ in Rückgriff auf Michel Foucault Studie „Überwachen und Strafen“ historisch nachzeichnen, um dann in einem zweiten Schritt den Versuch zu unternehmen Foucault mithilfe der Marx’schen Kritik der Warenform und der von Eugen Paschukanis geleisteten Kritik der Rechtsform materialistisch zu interpretieren. Es soll die These untermauert werden, dass die Gefängnisform in einer Gesellschaftsformation, in der alle Produkte menschlicher Arbeit zu Waren und alle konkreten Menschen zu Rechtssubjekten werden, die adäquate Form der Strafe ist. Nebenbei werden wie die Fragen woher das Recht eigentlich kommt; warum es von den meisten Leuten befolgt wird; welche Rolle Gefängnisse in unserer Gesellschaft spielen und was der Kapitalismus mit all dem zu tun hat gestreift.

Für das Verständnis des Vortrags sind Grundkenntnisse der Marx’schen Kritik der politischen Ökonomie von Vorteil, wenn auch nicht zwingend erforderlich.

Knoti: Antikapitalistische Praxis – Anarchistisch-Kommunistische Theorie für kämpferische Perspektiven

Viel zu oft wird Kapitalismuskritik als die deprimierende Erkenntnis verkauft, dass du doch nichts ändern könntest und deine politische Tätigkeit vergeblich sei. Das ist aber eine sehr spezifische Variante der Kapitalismuskritik, der hier eine andere gegenüber gestellt werden soll, welche aufzeigt wie kurz und langfristig Erfolge erzielt werden konnten und können. Dazu lassen wir uns von der marxistische Philosophie (z.B.Ernst Blochs) inspirieren, decken wir die verlorenen theoretischen Wurzeln der autonomen Bewegung auf und schauen uns den Ansatz großer anarchistisch-kommunistischer Organisationen an.

Der Vortrag soll in einfacher Sprache erfolgen und mit Beispielen arbeiten, aber auch Marx-Kenner*innen neues bieten.

La Banda Vaga: Islamismus

Der Islamismus ist ohne Frage eines der zentralen Themen der Gegenwart. Allzu oft wird der Islamismus dabei jedoch als archaische, also vormoderne Erscheinung abgetan. Auch von linker Seite wird der Begriff zumeist als inhaltsleere Hülle gebraucht. Dies führt nicht selten zu katastrophalen politischen Einschätzungen. Für die einen sind zumindest bestimmte islamistische Gruppierungen Ausdruck eines berechtigten antiimperialistischen Widerstandes, andere wiederum wollen dem Islamismus im Schulterschluss mit Staat und Militär mit westlichen Werten entgegentreten. Beides ist unserer Ansicht nach verfehlt. Darum haben wir den Versuch unternommen, uns dem Phänomen mit einigen Thesen über die materiellen und historischen Grundlagen des Islamismus sowie zu den daraus resultierenden politischen Konsequenzen anzunähern. Diese Thesen würden wir gerne mit euch diskutieren.

Jens Störfried: Subjekt – Widerstand – Emanzipation

In einer Gesellschaftsform, basierend auf Ausbeutung, Unterdrückung, Verwertungszwang und Konkurrenz, werden wir in unserer Seinsweise als Menschen in die Form des bürgerlichen Subjektes gezwängt. (In Herrschaftsverhältnissen werden wir genormt, geformt und bewertet.) Dagegen regen sich bei vielen auf sehr verschiedene Weisen Widerstände. Deswegen wird das Subjekt als gesellschaftliche Struktur zum Kampffeld verschiedenen politischer Projekte. Widerstände gegen Subjektivierung allein haben dabei keinen Wert an sich. Oftmals zielen sie darauf ab, die Subjektform zu verfestigen, wie es bei der konformistischen Rebellion beispielsweise von Neurechten und Faschist*innen der Fall ist. Emanzipatorische Politik auf diesem Gebiet würde hingegen bedeuten die Grenzen des Subjekt-Seins zu durchkreuzen, zu erweitern und aufzusprengen. (Dies ist keine Angelegenheit vereinzelter Selbstbearbeitung, sondern eine Frage gemeinsamer politischer Auseinandersetzungen und kollektiver Ermächtigung.) Im Vortrag werden Grundgedanken der postanarchistischen Theorie eingeführt. (Diese ist eine Weiterentwicklung anarchistischer Gedanken mit poststrukturalistischen Theorien und lässt sich sowohl auf eine herrschaftskritische Subjekttheorie, als auch auf eine emanzipatorische politische Theorie anwenden.) Mit diesem Hintergrund können wir anhand einiger Fragen gemeinsam diskutieren, wie subjektive Widerstände eine emanzipatorische Ausrichtung gewinnen, wie die „freiwillige Knechtschaft“ überwunden werden kann, ob eine emanzipatorische Gestaltung unserer Seinsform möglich ist und was die politischen Voraussetzungen dafür sind.

Der Workshop entstand aus einer akademischen Theoriebeschäftigung. Es wird aber versucht, dass wir gemeinsam Begriffe bilden und sie uns gegenseitig erklären.

Björn / Falken: Lieder singen – Geschichte singen (Praxisworkshop)
Zu vielen Themen und in vielen Kämpfen sind Lieder entstanden und werden immer noch gesungen. Sie reichen von den Bauernkriegen (1525) bis zu heutigen Liedern über Hausbesetzung. Auch zur Geschichte der ArbeiterInnenjugendbewegung gehören sie von Beginn an dazu. In diesem Workshop werden wir deshalb, begleitet von Akkordeon und Gitarre, Lieder singen – alte, neue, bekannte, unbekannte – und sie zum Anlass nehmen, näher hinzuschauen, was sie erzählen. Dabei werden wir auch gemeinsam kurze Texte über geschichtliche Situationen lesen, die hoffentlich Anlass zur Diskussion geben werden. Es sind keine Vorkenntnisse nötig. Die Lust zum Singen ist gewiss hilfreich. Einige Lieder werden auf Englisch sein. „Ja, meine Herren, um alles in der Welt, darüber müßten Sie sich doch klar sein: Wir können die Arbeiterjugend kein „Eia popeia“ singen lassen, wir können sie kein „Schlaf, Kindchen, schlaf“ singen lassen, wie Sie das am liebsten haben möchten (…), ja wir müssen aufrüttelnde und kräftigende Gedichte und Artikel (…), wir müssen ihr eine starke aufrüttelnde Kost geben, wir müssen ihr eine Kampfeskost geben.“ (Karl Liebknecht, 1912)